DESTINATION'S CALLING


Die deutsche Melodic Power Metal Band DESTINATION’S CALLING kommen dieser Tage mit ihrem zweiten Werk „End of Time“ um die Ecke. Nachdem viel umjubelten Debütalbum „Invisible Walls“ bringen die Jungs auch ihr neues Werk wieder in Eigenregie unter die Leute. Das ist ja heutzutage schon eine Seltenheit, aber auch die Band selbst scheint nicht so wie alle anderen zu sein. Das bewies schon mein erster Kontakt mit Bandchef und Gitarrist Markus Christian. Der gute Markus wirkte sehr sympathisch und machte einen hervorragenden Promotion Job. Da war es auch klar, dass ich mit ihm auch ein kleines Interview im Zuge der Veröffentlichung führen würde.

J.P: Hallo Markus, vielen Dank das du mir ein paar Fragen zu eurem neuen Album, zu eurer Band und zu eurer Zukunft selbst beantwortest. Ihr habt mit „End of Time“ ein neues Album am Start. Wie lief denn der Aufnahmeprozess ab? Von wann bis wann ist denn das Album entstanden?

M.C: Hi Julian. Auch Dir erstmal vielen Dank für das Review und das Interview. Unser neues Album „End of Time“ ist über mehrere Monate hinweg entstanden. Wir haben uns Mitte 2010 auf das Songwriting fokussiert und konzentriert an den neuen Liedern gearbeitet. In dieser Vorproduktionsphase nehmen wir die Lieder auch über unser eigenes Equipment auf, um dann am PC gezielt an einzelnen Passagen oder Melodiebögen feilen zu können. Nachdem wir die Vorproduktion beendet hatten, ging es dann im Februar 2011 für unseren Schlagzeuger mit den eigentlichen Aufnahmen zum neuen Album los. Wir haben uns hierfür in das Gate-Studio eingemietet und mit den Jungs dort die Schlagzeugspuren aufgenommen. Im Anschluss daran haben wir dann von März bis Mai 2011 im bandeigenen Studio die Gitarren, den Bass und den Gesang aufgenommen. Das war für uns schon eine Art Premiere, denn beim letzten Album „Invisible Walls“ hatten wir alles im Studio aufnehmen lassen. Nachdem wir dann noch die Akkustikgitarreparts bei Andy Horn, sowie die Pianoparts bei Jan Vacik aufgenommen hatten, kamen alle Daten wieder zurück nach Wolfsburg. Sascha Paeth und seinem Team haben dann ab August 2011 die Scheibe gemixt und gemastert.

J.P: Bei der Produktion von „End of Time“ habt ihr auf die Dienste von Sascha Paeth und seinen Gate Studios zurückgegriffen. Wie kam der Kontakt zu ihm zu Stande? Der gute Mann muss doch extrem beschäftigt sein, war es schwierig ihn für euch zu gewinnen? Wie war denn das Arbeiten so mit ihm?

M.C: Eigentlich war das gar keine große Sache. Wir hatten im Vorfeld verschiedene Studios angefragt und eben auch Sascha und das Gate-Studio. Den Kontakt hat unser Drummer Christian Frank per Email hergestellt. Nachdem wir uns dann für das Gate-Studio entschieden hatten, haben wir uns auch ziemlich schnell auf den Terminplan geeinigt. Klar haben die Jungs in Wolfsburg auch andere, größere Acts auf ihrer Referenzliste, aber wir hatten nie das Gefühl, als relativ unbekannte Band dort stiefmütterlich behandelt zu werden. Ganz im Gegenteil. Es war eine lockere Arbeitsatmosphäre und Sascha und sein Team haben sich hervorragend in die Produktion mit eingebracht.

J.P: Wie waren denn eigentlich so die Reaktionen auf euer Debütalbum? Seid ihr, im Nachhinein betrachtet mit dem Album zufrieden?

M.C: Mit „Invisible Walls“ konnten wir wirklich sehr gute Kritiken einfahren. Es gab Lob und Anerkennung von allen Seiten. Das war auf alle Fälle ne tolle Sache. Wir hatten die CD damals in den Dreamscape-Studios in München aufgenommen und sind auch heute noch sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Jan Vacik hat da einen super Job gemacht.

J.P: Wenn du die beide Platten miteinander vergleichst, worin siehst du die größten Unterschiede?

M.C: Aus soundtechnischer Sicht wirkt die neue Platte für mich etwas direkter und frischer. Das hängt ganz einfach mit der anderen Arbeitsweise der jeweils beteiligten Soundengineers zusammen. Sascha hat uns z.B. das Schlagzeug sehr natürlich und dennoch wuchtig gemischt. Dadurch hat man diese gewisse Präsenz im Sound. Ein weiterer Unterschied liegt in der verschiedenen Herangehensweise beim Aufnehmen. Während wir bei der „Invisible Walls“-CD alles komplett im Studio aufgenommen haben, war es diesmal so, dass wir die Gitarren, Bass und v.a. den Gesang im eigenen Bandstudio aufgenommen haben. Gerade bei den Vocals hatten wir so die Möglichkeit, an den einzelnen Parts noch intensiver zu feilen. Zudem konnte sich unser Sänger auch einfacher Gesangspausen gönnen. Bei „Invisible Walls“ haben wir für den gesamten Gesangsteil etwa 8-10 Tage Zeit gehabt. Bei unserem neuen Album „End of Time“ konnten wir insgesamt über vier Wochen am Gesang arbeiten. Das äußert sich natürlich auch im Ergebnis.

J.P: Gehen wir mal auf ein paar Songs ein. Für mich sind die stärksten Songs ganz klar “Feel the Rain”, “Soulbound”, “Revolution in Mind”, “End of Time” und “Walking on the Ice”. Kannst du uns zu diesen Songs etwas erzählen?

M.C: Also „Feel the rain“ ist ebenfalls eines meiner Highlights auf der Scheibe. Es verdeutlicht ziemlich genau das, wofür Destination's Calling derzeit steht: moderner, melodischer Power Metal. Gerade das riffbetonte Gitarrenspiel reißt mich immer wieder aufs Neue mit und macht einfach Spaß. „Soulbound“ schlägt in meinen Augen in die gleiche Kerbe. Es hat diese gewisse düstere Grundatmosphäre, die ich z.B. auch an Bands wie EVERGREY so sehr mag. Zudem haut mich der Refrain auch jedes mal wieder um. So muss das sein :-)
Bei „Revolution in mind“ haben wir etwas mit orientalischen Anleihen experimentiert, um dem Song noch mehr Tiefe zu verleihen. Textlich befasst sich das Lied mit dem Thema Befreiung. Wie man das nun interpretiert, ist jedem selbst überlassen. Wer es gerne politisch mag, kann das tun, wer nicht, darf sich auch gerne etwas anderes dazu einfallen lassen :-)
Der Song „End of Time“ stellt den Titelsong des Albums dar und baut durch das fette Gitarrenriff jede Menge Druck auf. Für mich ebenfalls einer der geilsten Songs auf der Scheibe, der auch live unheimlich gut ankommt. Erinnert mich vom Stil her an die guten alten QUEENSRYCHE-Zeiten und damit bin ich eben auch aufgewachsen.
„Walking on thin ice“ besticht v.a. durch den unglaublich fetten Refrain. Wir haben diesmal viel Zeit darauf verwendet, die Gesangspassagen bis ins kleinste Detail auszuarbeiten und es hat sich wirklich gelohnt. Der Song treibt schön nach vorne und ist einfach ein typischer Ohrwurm. Das muss man sich reinziehen!

J.P: In meinem Review hatte ich ja angesprochen das mir die Platte ein wenig zu langsam geraten ist. Gerade in der Mitte haben wir ja einen richtigen Balladenteil. Im Vorgespräch sagtest du aber schon das das von euch auch so gewollt ist. Kannst/willst du darauf noch etwas eingehen und kannst du das unseren Lesern etwas erklären?

M.C: Klar möchte ich J. Denn wenn Du von einem Balladenteil sprichst, finde ich das nicht ganz treffend. Klar „Another day“ und „Dark poem“ sind auf alle Fälle ruhige Songs, die voll als Balladen durchgehen. Aber beide Lieder sind in einigem Abstand voneinander auf der CD zu hören. Bei „The broken hourglass“ verhält es sich etwas anders. Es wird zwar von einer Akkustikgitarre getragen, soll aber weniger als Ballade sondern vielmehr als Hinleitung zu dem wirklich übermächtigen „Dreams died on the road“ dienen (deshalb auch die Ähnlichkeit beider Songs zueinander). Wenn wir das also aufsummieren, kommen wir bei elf Liedern auf zwei Balladen und ein ruhiges „Zwischenstück“. Die anderen Songs sind alle dermaßen heavy, dass eine Verschnaufpause zwischendurch ganz gut tut. Wir haben uns sehr lange Gedanken darüber gemacht, wie wir die Songs bestmöglich auf der CD verteilen und wie ich finde, ist es uns auch ganz gut gelungen.

J.P: Gibt es ein Konzept hinter dem Album? Wovon handeln eure Songs meistens?

M.C: Ein konkretes Konzept, wie z.B. die Maya-Prophezeiungen zum Ende der Welt wird auf dem Album nicht verfolgt. Wir haben diesen Titel vielmehr deshalb gewählt, weil er sehr gut klingt und eine unglaubliche Stärke ausstrahlt. Wenn wir auf die einzelnen Songs eingehen, haben wir viele verschiedene Themen aufgearbeitet. So z.B. den Verlust wichtiger Menschen oder auch die Orientierungslosigkeit vieler Menschen in dieser schnelllebigen Zeit.

J.P: Was sehr bemerkenswert ist in der heutigen Zeit, ihr vertreibt eure Platten bislang selbst und macht auch selbst eure Promotion. Woran liegt es? Ihr müsstet doch eigentlich bestimmt auch schon Labelangebote bekommen haben, oder? Wollt ihr das in der Zukunft so bei behalten?

M.C: Wir hatten zu Beginn des Jahres mehrere Angebote von Plattenfirmen vorliegen. Allerdings haben wir uns nach längerer Bedenkzeit aus den verschiedensten Gründen gegen eine Labelveröffentlichung entschieden. Klar ergibt sich daraus ein großer Zeitaufwand was die Bewerbung und den Vertrieb unserer CD angeht, aber auf der anderen Seite haben wir so alles  im Blick. Zudem kommen wir
mit allen relevanten Personen direkt in Kontakt. Das ist unserer Meinung nach extrem viel wert und v.a. die Fans freuen sich ebenfalls, wenn sie z.B. bei der CD-Bestellung gleich eine Emailnachricht von uns persönlich bekommen.
Auch wenn wir jetzt kein Label hinter uns stehen haben, können wir unsere CD trotzdem über viele Metal-Mailorder und auch über Amazon.de verkaufen. Darüber hinaus haben wir sogar Vertriebspartner in den USA und Japan. Ist ja schon mal nicht schlecht für eine „unsigned“ Band :-)
Um deine Frage noch abschließend zu beantworten: Im Moment sehen wir keinen Grund, weshalb wir einen Plattenvertrag unterzeichnen sollten.

J.P: Ihr seid vermutlich keine Berufsmusiker, oder? Wenn nein, wie schwierig ist es das Bandleben und das normale Leben oder eure Jobs unter einen Hut zu bekommen?

M.C: Keiner von uns ist Berufsmusiker. Da wir innerhalb der Band die Arbeit verteilen, hält sich der Zeitaufwand zumindest großteils in Grenzen. Ab und an wird es natürlich schon mal etwas heftiger, wenn z.B. Aufnahmen abgeschlossen werden müssen, das CD-Artwork fertig werden muss oder die Promotion ins Laufen kommt. Das Endresultat – in dem Falle die CD – entschädigt einen für diesen Aufwand aber ohne weiteres.

J.P: Markus wie geht es denn jetzt genau bei DESTINATION’S CALLING weiter? Seid ihr in naher Zukunft live zu sehen? Was steht bei dir selbst als nächstes an?

M.C: Im Moment bereiten wir uns auf den Auftritt am Summer's End Festival (25.08.2012 – Andernach) vor. Dort spielen wir zusammen mit EVERGREY und STRATOVARIUS. Gleichzeitig schauen wir, dass wir noch ein paar weitere Gigs an Land ziehen und langsam aber sicher fallen mir auch schon wieder erste Songideen ein.
Wie sagte schon einst Sepp Herberger: „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“! :-)

J.P: Vielen Dank Markus für deine Zeit und die interessanten Antworten im Zuge dieses Interview! Ich wünsche euch alles Gute für die Zukunft, die letzten Worte gehören natürlich dir.

M.C: Ich möchte mich auch nochmal recht herzlich bedanken und natürlich allen Lesern raten, unsere neue CD anzuchecken. Auf der Homepage gibt es Songschnippsel zum Reinhören, bei YouTube könnt ihr euch den Albumtrailer reinziehen. Viel Spaß dabei und bis bald.

Julian


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