BEAUTIFUL BEAST

Echter und vor allem guter Sleaze oder Hairmetal aus Deutschland ist gar nicht so einfach zu finden. Darauf haben momentan die Skandinavier ihre Hand drauf. Dass es so etwas aber doch gibt, wenn man nur lang genug sucht, hat man unlängst schon an meiner Rezension der neuen Scheibe von BEAUTIFUL BEAST gemerkt.

BEAUTIFUL BEAST ist das Baby von Julian Angel, der einigen von Euch vielleicht kein Unbekannter mehr ist, immerhin ist es schon über 10 Jahre her, dass er seine erste Platte veröffentlicht hat – damals aber noch unter seinem Namen. Heute habe ich das Vergnügen, ein bisschen mit ihm über das neue Album und die deutsche Sleaze-Szene zu quatschen:

S.T.: Danke, dass Du uns die Möglichkeit gibst, etwas mehr von Dir und BEAUTIFUL BEAST zu erfahren. Mit „California Suntan“ hast Du ja schon die zweite Scheibe unter diesem Banner am Start...erzähl uns doch mal, was es damit auf sich hat, was sind denn Deine Highlights?


Julian Angel: Schwierig, das sind sie alle haha. Nein, im Ernst, es ist echt nicht einfach, denn die Highlights kristallisieren sich in der Regel erst später heraus. Denn trotz der besten Ideen funktioniert nicht jeder Song so, wie es Dir vorstellst. Dafür gibt es aber immer wieder Überraschungen, wenn Du Stücke hast, die vielleicht irgendwo hinten zu finden sind, die Du aber besser doch weiter nach vorne gestellt hättest. Natürlich ist es nach den Aufnahmen immer so, dass man einfach mal die Schnauze voll hat und man einfach Abstand braucht und alles etwas Revuepassieren zu lassen. Dazu brauch ich meistens immer ein ganzes Jahr. Nichtsdestotrotz ist natürlich der Opener "Wet Wild Willing" für mich ganz klar vorne mit dabei, denn das ist der absolute Poser-Song – schon alleine vom Titel her.

S.T.: Zwischen den beiden BEAUTIFUL BEAST-Scheiben liegt nur ein gutes Jahr, davor war es aber lange ziemlich ruhig um Julian Angel...zumindest in der Öffentlichkeit. War die Zeit noch nicht reif?


J.A.: Wenn Du die vielen Jahre nach dem allerersten Album auch noch mit einbeziehen willst, war das eher eine musikalische Selbstfindungsphase. Die erste Platte kam ja gerade noch im Jahr 2000 raus, da war diese Art von Musik ja praktisch tot. Mitte der 90ger haben sich vielleicht noch einige Leute daran erinnert, aber Anfang des neuen Jahrtausends musste sich das Interesse erst wieder bilden. Ich wusste damals nicht so genau was ich machen sollte, es waren ständig verschiedene Ideen da, sei es in Richtung "Brutal Planet" von ALICE COOPER, was ja eher in die moderne Richtung tendierte oder vielleicht doch eher in die Singer/Songwriter Ecke? Da gab es dieses Soloalbum von Jack Russell von GREAT WHITE, auf das ich ziemlich stand, aber meistens, wenn ich ein paar Songs in eine bestimmte Richtung zusammen hatte, habe ich mich schon wieder zu anderen Dingen hingezogen gefühlt. 2007 hat mich dann ein Musikerfreund dazu inspiriert, diese doch ziemlich experimentelle "Choreography Sucks" Scheibe zu machen. Danach habe ich aber gemerkt, dass meine Bestimmung einfach im Hair Metal liegt. Das erste BEAUTIFUL BEAST Album "Adult Oriented Candy" war dann etwas inspiriert von STEEL PANTHER, die ich damals live in den USA gesehen hatte und dann war mir klar, dass ich wieder was in dieser Richtung machen wollte. "Rock All Arenas" war dann auch der erste Song, den ich daraufhin geschrieben hatte.

S.T.: „California Suntan“ ist ein abwechslungsreiches und ausgereiftes Album geworden, das trotzdem einen gewissen Partyfaktor nicht verschweigen kann. Würdest Du es als Dein bisheriges Meisterstück sehen?


J.A.: Das weiß ich noch nicht. Ich hatte gedacht, dass ich das Debüt eigentlich nicht toppen kann. Ich konnte auf ein paar ältere Songs zurückgreifen, die über die Jahre entstanden sind, wobei ich bei "Californian Suntan" komplett neues Material schreiben musste und nur einzelne Ideen schon vorhanden waren. Ich hatte auch etwas Bedenken, dass die Qualität der Songs unter dem Zeitdruck etwas leiden könnte, aber das hat sich zum Glück nicht bewahrheitet. Ob es mein Meisterstück geworden ist, kann ich Dir dann vielleicht in einem Jahr sagen.

S.T.: Auf dem Debüt „Adult Oriented Candy“ hattest Du noch 2 weitere Bandmitglieder gelistet. Jetzt erscheint niemand mehr explizit auf der „Gehaltsliste“. Was ist passiert?


J.A.: Ich wollte mit BEAUTIFUL BEAST ursprünglich eine richtige Hair Metal Band haben. Dazu brauchst Du natürlich langhaarige Musiker, die wenigstens ein paar Cowboystiefel im Schrank stehen haben und sich mit diesem Genre identifizieren. Also habe ich mich mit ein paar Jungs aus einer Coverband zusammengetan, aber über die Zeit hat sich leider herausgestellt, dass es nicht funktioniert. Wenn Du Musiker mit normalen Jobs in der Band hast, ist es halt schwierig, z.B. unter der Woche einen Gig zu spielen. Daraufhin habe ich es einfach selbst durchgezogen, habe aber den Namen BEAUTIFUL BEAST beibehalten und werde alles, was in die Hair Metal Richtung geht auch unter diesem Banner veröffentlichen. Es macht aber einfach auch süchtig, Songs aufzunehmen. Da muss ich dann einfach auch den Bass und die Keyboards bedienen, sonst hätte ich ja nur halb so viel Spaß...

S.T.: Du hast auch deinen neuen Longplayer selbst veröffentlicht. Gab es keine guten Angebote oder findest Du diese Art und Weise einfach besser für Dich?


 J.A.: Ich finde die Art und Weise besser, um Angebote habe ich mich ehrlich gesagt gar nicht bemüht. Bei den meisten Labels wirst Du einfach nicht genug unterstützt, es gibt keine Werbung oder ähnliches. Was nützt es mir, wenn meine CD in irgendeiner Stadt in einem Laden steht, die so gar nicht Hair Metal ist? Außerdem stehen die Scheiben für horrende Preise im Regal, und das möchte ich nicht bzw. sind viele Leute einfach nicht bereit, 19 Euro für eine CD mit 10 oder 12 Songs auszugeben. Deshalb verlasse ich mich lieber auf Dinge, die ich selber kontrollieren kann z.B. die Direktbestellung über meine Internetseite, die echt erstaunlich gut läuft, oder die üblichen verdächtigen Mailorder Shops.
 


S.T.: Wenn man sich das Album über Deine Homepage kauft, gibt es noch 2 Bonus-Songs. Warum haben es die nicht auf die reguläre Veröffentlichung geschafft?

 J.A.: "Fever" wäre eigentlich vorgesehen gewesen, denn der Song hat ein richtig geiles Riff usw., aber beim Abmischen habe ich gemerkt, dass was fehlt. Und obwohl der Song richtig gut ist, hätte er nicht in den Flow des Albums gepasst. Das Gleiche gilt im Prinzip für "Getcha Off My TV", er tanzt etwas aus der Reihe und deswegen habe ich mich dazu entschlossen, ihn auch außen vor zu lassen und ihn hier als Bonus Track zu verwenden.

S.T.: Wenn man sich bei Deinem Newsletter anmeldet, bekommt man auch 2 mp3´s geschenkt. Um welche handelt es sich da?


J.A.: Da handelt es sich um ältere unveröffentlichte Demos von ca. 2003, es sind also komplett andere Songs.
 
S.T.: Was darf man von einem Newsletter erwarten, der sich "The Hair Metal Newsletter" nennt?


J.A.: Die absolute Selbstdarstellung meinerseits natürlich haha. Nein...eigentlich im Gegenteil. Es gibt keine Aufrufe der Marke "bitte votet für mich auf der oder der Seite, damit ich auf dem und dem Festival spielen kann" etc. sondern sinnvolle und wichtige Dinge aus meinem Musikerleben, wie z.B. Links zu Reviews oder Interviews und es gibt viele Informationen generell über die Hair Metal Szene. z.B. gibt es in fast jedem Newsletter eine CD-Kritik von mir, weniger über neue Erscheinungen, sondern eher über Sachen, die ich für mich entdeckt habe, meist unbekannte Sachen, die ich einfach vorstellen möchte um den Leuten einen Tipp zu geben. Dann gibt es ein paar Youtube-Links zu tollen unbekannten Geschichten, die man dort anschauen kann usw. Also eine runde Sache...

S.T.: Du komponierst oder sammelst ja Ideen in jeder erdenklichen Lebenslage (wie man aus Deinem Track By Track entnehmen kann). Julian Angel sitzt also nicht im Proberaum und wartet auf Eingebungen, oder?


J.A.: Richtig! Meistens kommen mir bei absolut unkreativer Arbeit die besten Ideen. Das Riff zu "Wet Wild Willing" ist mir z.B. beim Staubsaugen eingefallen. Der Refrain dazu dann beim Einkaufen. Ist teilweise ganz witzig, wobei die Ideen so entstehen haha.

S.T.: Wie schwer ist es in Deutschland, mit Deiner Art von Musik Erfolg zu haben? Warum machst Du genau diesen Sound?


J.A.: Also den Sound mach ich aus Überzeugung – denn ich bin mir sicher, dass Du nur Erfolg haben kannst, wenn Du davon auch zu 100% überzeugt bist. Wenn ich auf dem Weg zur Post bin, habe ich auch meine Cowboystiefel an und binde mir keinen Zopf sondern lebe diese Einstellung. Ich glaube, dass das sehr wichtig ist.

S.T.: Da die Szene ja nicht gerade groß ist, wie gehen die Künstler miteinander um? Gibt es eher Konkurrenzdenken oder unterstützt man sich gegenseitig?


J.A.: Ich glaube, in Deutschland ignoriert man sich einfach. Wenn man den Kontakt mit anderen Musikern oder Bands sucht, kommt meistens nicht viel zurück. Das läuft aber glücklicherweise in Amerika anders, da hilft man sich schon mal aus. Ich habe z.B. seit Jahren regelmäßigen Kontakt zu JOHNNY LIMA, und wir geben uns gegenseitig Tipps oder tauschen Kontakte aus, das ist da wie selbstverständlich. Das ist bei uns in Deutschland leider gar nicht der Fall – natürlich gibt es auch Ausnahmen, aber eher selten.

S.T.: Was denkst Du z.B. von Kollegen, die bei irgendwelchen Handwerker-Soaps, bei "Auf und Davon" oder "Big Brother" mitmachen, nur um vielleicht ein bisschen bekannter zu werden?


J.A.: Also ich denke, dass Du im Bereich der handgemachten Musik damit absolut keinen Erfolg haben wirst und Dich eher der Lächerlichkeit preisgibst. Das kannst Du machen, wenn Du jemand wie die Katzenberger bist oder irgendein Popalbum promoten oder eine Eintagsfliege machen willst. Dann werden die Leute ein paar Wochen anbeißen aber auf Dauer wird das nichts. Es muss noch nicht mal Rock oder Metal sein, ich finde generell im Bereich handgemachter Musik ist das der falsche Weg.

S.T.: Der Bonus Track „Getcha Off My TV“ handelt ja von solchen Casting Shows. Was hältst Du davon?


J.A.: Auch davon halte ich absolut nichts, ich kann mir im Fernsehen jeden Mist anschauen, aber sobald es in die Reality Richtung geht, kann ich echt nicht hinschauen. Das Gleiche ist es bei den ganzen Casting Shows, da kommen Leute daher, trällern ein bisschen was vor und haben damit Erfolg. Es gäbe tausende hart arbeitende Bands und Musiker, die diesen Erfolg mehr verdient hätten. Solche, die wissen wie es ist, einen Proberaum zu bezahlen, ihre eigene Miete zu bezahlen und sich den Arsch aufreißen um überall spielen zu können etc. Und die guten Musiker machen doch bei sowas gar nicht mit, weil sie sich erstens nicht so über den Tisch ziehen lassen oder einfach gleichzeitig einen bezahlten Auftritt irgendwo haben. Außerdem wird in solchen Shows immer vermittelt, dass es ganz einfach ist, Erfolg zu haben und dass das der einzig wahre Weg ist.

S.T.: Du hast mit GTO Entertainment auch eine eigene Firma. Worum geht es da und was machst Du sonst noch alles?


J.A.: GTO Entertainment ist meine eigene Firma, die sich auf Firmen Events spezialisiert hat. Ich bin sehr zufrieden damit und habe vor allem im Ausland Kunden gewinnen können. Außerdem habe ich für nächstes Jahr in Nürnberg eine Musikkonferenz mit dem Namen „MusicBiz Madness“ geplant, die darauf ausgerichtet ist, seinen Erfolg als Musiker zu steigern. Es wird eine Ausstellung geben mit verschiedenen Dienstleistern, desweiteren werden Seminare und Workshops mit namhaften Produzenten etc. stattfinden. Ein rundes Paket also...

S.T.: Wenn Du ne Party machst, welcher Soundtrack läuft da?


J.A.: Ich mach eigentlich selten Party, aber wenn ich mich vergnüge, läuft meistens die Musik aus den 80ger Jahren, aber nicht nur Hardrock-Geschichten. Wenn ich z.B. in der Endphase einer Produktion bin, kann ich so etwas eher schlecht hören, da tut es dann auch mal ein bisschen Weichspüler Pop.

S.T.: Hast Du vor, „California Suntan“ auf die Bühne zu bringen?


J.A.: Das würde ich gerne, aber ich habe nach wie vor das Musikerproblem, und da die besten Termine unter der Woche sind, wird es eher schwierig. Ich hatte das Angebot bekommen, vor RECKLESS LOVE zu spielen oder auch mit JOHNNY LIMA, der demnächst auf einen Gig nach Hannover kommt, aber wie gesagt, das ist extrem schwierig – leider.

S.T.: Haben wir sonst noch was vergessen? Was möchtest Du Deinen Fans mit auf den Weg geben?


J.A.: Ja: Kauft die Scheibe haha. Deutschland wird ja immer so als Hochburg in Sachen AOR und Melodic Rock gesehen, aber ich würde mich echt freuen, wenn etwas mehr eine Gemeinschaft entstehen würde – auch zwischen Musikern und Fans. Den Großteil meiner CDs verkaufe ich immer noch in die Staaten, hierzulande läuft eher weniger. Es würde mich echt freuen, wenn ich ein paar Leute mehr "beglücken" könnte.

S.T.: Also Leute, Ihr habt es gelesen: Kauft die Scheibe! Wenn Ihr das aufgrund meiner Besprechung immer noch nicht getan habt, gibt es nur einen Weg:
www.beautifulbeastrock.com

Noch einmal vielen Dank für Deine Zeit – Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg mit BEAUTIFUL BEAST!

Stefan



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